15. Mai 2026
Internationaler Tag der Familie

Ein Gastbeitrag von Nina Waibel-Rohde, Projektleiterin des Diesterweg-Stipendium Offenbach

Bildung als Empowerment: Wenn Eltern über sich hinauswachsen

Seit 1993 begehen die Vereinten Nationen am 15. Mai den Internationalen Tag der Familie. Er wurde ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Bedeutung der Familie als Grundeinheit der Gesellschaft zu schärfen und politische Entscheidungsträger weltweit daran zu erinnern, familiäre Strukturen zu schützen und zu fördern.

 

Offiziell stehen dabei Themen wie soziale Gerechtigkeit, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie der Schutz vor Armut im Fokus. Doch blickt man tiefer in diese Zielsetzungen, wird schnell deutlich: Damit Familien diese Aufgaben als stabilisierende Kraft der Gesellschaft erfüllen können, benötigen sie die richtigen Werkzeuge.

 

Hier schließt sich der Kreis zu unserer Arbeit in Offenbach. Denn für uns bedeutet die Förderung von Familien vor allem eines: Empowerment.

 

Wir verstehen den Tag der Familie als jährliche Erinnerung, dass gesellschaftliche Teilhabe und individueller Bildungserfolg kein Zufall sind, sondern auf einem starken familiären Fundament wachsen, das durch gezielte Unterstützung und Vertrauen gestärkt werden muss.

© Die Bürgerstiftung Offenbach am Main

Im Diesterweg-Stipendium Offenbach leben wir diesen Gedanken seit über 10 Jahren: Bildung gelingt am nachhaltigsten, wenn wir die gesamte Familie stärken.

 

In diesem Mai feiern wir ein besonderes Highlight unseres neuen Bausteins im DiesterWEG „Eltern in den Beruf“, der gezielt die beruflichen Perspektiven und das Selbstvertrauen der Eltern in den Fokus rückt:

 

Eine selbstorganisierte, zertifizierte Fortbildung im MINT-Bereich für pädagogisches Fachpersonal.

© Die Bürgerstiftung Offenbach am Main

Unter Steuerung der Leitung des Diesterweg-Stipendiums entstand seit Dezember 2025 ein Kooperationsprojekt mit der „Stiftung Kinder forschen“ aus Berlin, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich seit 2006 bundesweit gemeinsam mit rund 175 Netzwerkpartnern für eine qualitativ hochwertige frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sowie in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) engagiert, dem Scape° Offenbach, einem interaktiven Ausstellungs- und Erlebnisraum mitten in der Offenbacher Innenstadt (umgesetzt von den städtischen Ämtern für Kulturmanagement, Umwelt und Klima sowie Wirtschaftsförderung und dem Deutschen Wetterdienst), dem Diesterweg-Stipendium der Bürgerstiftung Offenbach sowie als vierter Partnerin einer Gruppe von Diesterweg-Alumnae, die alle in Offenbach den Beruf der Erzieherin ausüben.

© Die Bürgerstiftung Offenbach am Main
© Die Bürgerstiftung Offenbach am Main

Vom Stipendiaten-Elternteil zur Projektmanagerin

 

Ein Auftakttermin aller Partnerinnen sowie ein anschließender Fokustermin bildeten die Grundlage dafür, eine gemeinsame Idee zu entwickeln sowie die Aufgaben der Steuerungsgruppe kooperativ festzulegen.

 

Die Termine waren ergebnisoffen gestaltet und vor allem die pädagogischen Fachkräfte waren aufgefordert, ihre Bedarfe und Ideen einzubringen.

 

Großer Dank für den Input von institutioneller Seite – mit Kerstin Tote für die Inhalte möglicher Fortbildungen mit der Stiftung Kinder forschen und Petra Väth für mögliche räumliche, organisatorische, aber auch inhaltliche Anbindung in Offenbach mit dem Scape°.

 

So entstand die gemeinsame Idee: An einem geeigneten Ort in Offenbach eine MINT-Fortbildung der Stiftung Kinder forschen für Offenbacher Erzieher:innen in Eigenregie ins Leben zu rufen.

© Die Bürgerstiftung Offenbach am Main
Denn: Was passiert, wenn man Verantwortung nicht nur bespricht, sondern komplett selbst übernimmt?

Die Gruppe unserer DWS-Alumnae der Generationen 4, 5 und 6 haben es eindrucksvoll bewiesen. Sechs engagierte Mütter – Indre Maliskiene, Malgorzata Jaroszek, Nino Kardava, Renata Liebner, Deimante Lozoryte und Olesea Perju – haben die vollständige Organisation einer Fortbildung im MINT-Bereich für pädagogisches Fachpersonal selbstständig übernommen.

 

Unter dem Motto „Forschen mit Wasser“ haben sie nicht nur ein Thema gewählt, das für ihren Berufsalltag als Erzieherinnen relevant ist, sondern den gesamten Prozess eigenständig gesteuert.

 

Von der Budgetplanung über die Terminkoordination mit der „Stiftung Kinder forschen“, bis hin zur Auswahl des Caterings und der Dokumentation – jede Teilnehmerin übernahm eine feste Rolle im Orgateam.

© Die Bürgerstiftung Offenbach am Main
© Die Bürgerstiftung Offenbach am Main

Empowerment durch Vertrauen

 

Mit einem Workshop für die Frauen startete der Prozess im März und zu Beginn stand die Frage „Warum bin ich heute hier?“

 

Die Antworten der Mütter waren nach anfänglichem Zögern sehr deutlich: Es geht um Vernetzung, um das Übernehmen von Führung und darum, über die eigene gewohnte Rolle hinauszuwachsen, die eigene Komfort-Zone zu verlassen, selbstwirksam zu sein, es geht darum, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

 

Das Projekt bietet ihnen einen geschützten Raum, um neue Wege zu entdecken und intrinsische Motivation in sichtbare Ergebnisse zu verwandeln.

© Die Bürgerstiftung Offenbach am Main

Besonders beeindruckend ist die Professionalität und Selbstreflektion, mit der die Alumnae agieren und die sie beim Zwischenstandstermin zeigten.

 

Sie nutzen moderne Kommunikationsstrukturen, bringen ihre Ideen selbstbewusst und proaktiv ein, führen Peer-Feedbacks durch und reflektieren offen über Herausforderungen wie die Zeitplanung oder die Kommunikation mit Kitaleitungen.

 

Dieses „Learning by doing“ stärkt nicht nur ihr Fachwissen, sondern vor allem ihr Selbstbewusstsein.

 

„Aus sich herauskommen ist nicht immer einfach, aber mit der Rückendeckung und dem Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde, hat es richtig Spaß gemacht.“, brachte es eine Mutter auf den Punkt, warum sich unser Engagement lohnt.

 

Am 18. Mai können die sechs Diesterweg-Mütter sowie weitere Erzieherinnen aus Offenbach die Früchte ihrer Arbeit ernten und an ihrer selbstorganisierten Fortbildung „Forschen mit Wasser“ teilnehmen.

© © Aenne Mueller Photography
Familien stärken heißt Zukunft gestalten

Dieser Erfolg zeigt: Wenn Eltern berufliche Perspektiven entwickeln und ihre eigenen Kompetenzen erleben, hat das eine direkte Vorbildfunktion für ihre Kinder. Das Diesterweg-Stipendium bleibt seinem Kern als Familienstipendium treu, indem es Bildung nicht als Einbahnstraße versteht, sondern als gemeinsame Reise, auf der auch die Eltern als Bildungsbegleiter wachsen.

 

Wir freuen uns sehr mit unserer Linsenhoff-Stiftung so langjährig das Diesterweg-Stipendium finanziell unterstützen zu können und zu begleiten.

 

Gemeinsam machen wir innovative Wege des Empowerments möglich und  gemeinsam zeigen wir, dass Bildung mehr ist als Wissen – sie ist der Schlüssel zu Mut und Selbstbestimmung für die ganze Familie.

Herzlichst

 

Ihre