Vor 25 Jahren, am 20. November 1989, haben die Vereinten Nationen die UN-Konvention über die Rechte des Kindes verabschiedet. Erstmals wurden darin soziale Rechte und Partizipationsrechte für alle Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren weltweit festgeschrieben. Praktisch alle Staaten der Erde garantieren heute mit ihrer Unterschrift unter die Kinderrechtskonvention das Recht eines jeden Kindes auf Versorgung, Schutz und Beteiligung.

Zum Geburtstag der Kinderrechte macht UNICEF auf die aktuellen Herausforderungen
bei der Umsetzung der Kinderrechte aufmerksam. Gleichzeitig rückt UNICEF die Suche nach innovativen Lösungen in den Mittelpunkt, die das Leben vieler Kinder verbessern können. In der Vergangenheit haben Erfindungen wie Zucker-Salz-Mischung gegen Durchfall oder  verzehrfertige Erdnusspaste Millionen Kinder gerettet. Heute bringt UNICEF Wissenschaftler, Unternehmer, zivilgesellschaftliche Organisationen und junge Leute weltweit in „Innovation Labs“ zusammen, um nachhaltige und weitreichende Verbesserungen für Kinder anzustoßen.

Eine Welt voller Gegensätze

Trotz guter Fortschritte in den vergangenen 25 Jahren sind die Chancen für Kinder auf der Welt bis heute extrem ungleich verteilt. Der technische Fortschritt hat die Kluft häufig sogar noch größer werden lassen. Während bei uns Internet-Giganten erfassen, was wir mögen und was nicht und entsprechende Profile über uns anlegen, hat jedes dritte Kind auf der Welt noch nicht einmal eine offizielle Identität. Diese Kinder werden bei ihrer Geburt nicht registriert, erhalten keine Papiere – später werden sie deshalb häufig nicht eingeschult. An manchen Orten fahren heute Autos mit Strom – einige sogar ohne einen Fahrer am Steuer. In anderen Teilen der Welt müssen dagegen medizinische Befunde mit der Hand geschrieben werden und brauchen wochenlang, bis sie von einem Dorf auf dem Land in das nächste Labor in der Stadt gelangen. UNICEF beschäftigt sich deshalb intensiv mit der Frage wie es gelingen kann, die extremen Ungleichheiten, die so viele Kinder bisher ausschließen, zu verringern.

UNICEF-Bericht zur Situation der Kinder in der Welt

Zum Geburtstag der Kinderrechte stellt UNICEF in seinem „Bericht zur Situation derKinder in der Welt“ eine Vielzahl innovativer Ansätze vor, die die Situation der amstärksten benachteiligten Kinder nachhaltig verbessern. Unter dem Motto: „Die Zukunft neu erfinden – Innovationen für jedes Kind“ wurden Forscher, Erfinder, Aktivisten und Querdenker aller Altersgruppen auf der ganzen Welt eingeladen, ihre Ideen und Projekte vorzustellen.

Mit seinem internationalen Jahresbericht bietet UNICEF somit eine Plattform, um innovative Ansätze vorzustellen, zu diskutieren und in die Breite zu tragen. Einige von ihnen wurden bereits auf über 20 weltweiten „Activate Talks“ (http://talk.unicef.org) behandelt – von der Erfindung der ersten mit Solarenergie wieder aufladbaren Batterie für Hörgeräte bis hin zu neuen Aufklärungskampagnen per Mobiltelefon. Weltweit bringt UNICEF Wissenschaft, Unternehmen, Zivilgesellschaft und junge Erfinder in zwölf so genannten Innovation Labs zusammen. Ziel ist es, gemeinsam lokal passende, nachhaltige, wirksame und ausweitbare Lösungen für Kinder zu entwickeln.

„In unserer immer stärker verbundenen Welt können lokal entwickelte Problemlösungen
globale Wirkung entfalten – zum Wohle von Kindern, die jeden Tag Ungleichheit und Ungerechtigkeit erfahren“, erklärt UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake. „Die besten  Lösungen werden nicht allein von oben nach unten oder von einer Gruppe von Menschen für  die andere kommen. Sie werden aus neuen Netzwerken und Gemeinschaften erwachsen – über Ländergrenzen und Fachgebiete hinweg – und sie werden von jungen Menschen und Kindern selbst kommen.“

Der Bericht, der erstmals ausschließlich digital veröffentlicht wird, enthält umfangreiches Multimedia-Material (http://sowc2015.unicef.org). Innovative Projekte und ihre Erfinder werden in Videos und Präsentationen vorgestellt – wie beispielsweise:

  • Solar Ear: die erste wieder aufladbare Batterie für Hörgeräte. Sie wurde für Menschen mit Hörproblemen entwickelt, die keine verlässliche Stromversorgung haben. Die Batterie kann durch Sonnenlicht oder auch über Mobiltelefone wieder aufgeladen werden (Tendekayi Katsiga, Deaftronics – Botswana/Zimbabwe).
  • Gemeindenahe Behandlung von akuter Mangelernährung: Während schwer ausgezehrte  Kinder früher meist in speziellen Ernährungszentren versorgt werden mussten, ist es heute  möglich, sie schnell und kostengünstig in ihren Familien zu behandeln – unterstützt durch die  lokalen Gesundheitsstationen. Dabei wird eine kalorienreiche Erdnusspaste eingesetzt (Steve Collins, Mitgründer und Leiter von VALID Nutrition).
  • U-Report: Aufklärung für Jugendliche mit Hilfe von Mobiltelefonen. Das einfache Kommunikationssystem U-Report wurde gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt. In Liberia setzt UNICEF es zum Beispiel im Kampf gegen Ebola ein. So erhalten die Jugendlichen  lebensrettende Informationen – und können gleichzeitig zurückmelden, wie viel sie bereits wissen und was sie beschäftigt.
  • Schwimmende Schulen: In Überschwemmungsgebieten in Bangladesch machen es diese Einrichtungen möglich, dass Kinder auch bei Hochwasser zur Schule gehen können (Mohammad Rezwan, Gründer der Nichtregierungsorganisation Shidhulai Swanirvar Sangstha).
  • Vibrasor: Dieses Gerät wurde von zwei Teenager-Mädchen in Kolumbien entwickelt. Es hilft Menschen mit Hörproblemen, sich sicher durch laute Großstädte zu bewegen Isamar Cartagena, Katherine Fernandez).
  • Strom aus Urin: Vier Teenager in Nigeria erfanden einen Weg, wie Menschen ohne regelmäßige Stromversorgung mit Energie versorgt werden können. Sie entwickelten einen Generator, der mit Urin betrieben wird.
  • Braille-Drucker mit LEGO-Software: Ein 13-Jähriger entwickelte in den USA einen
    Drucker für Braille-Schrift, der sich für rund 350 Dollar bauen lässt – im Vergleich kosten herkömmliche Drucker durchschnittlich 2.000 Dollar. Die Basis dieser Erfindung ist eine einfache LEGO-Software (Subham Bannerjee).
  • Ein 16-Jähriger fand einen Weg, unbrauchbare Reisabfälle zu wertvollem Baumaterial umzuwandeln. Das Projekt GreenWood stellt kostengünstige Tafeln her, die zum Beispiel für Gebäude oder Möbel verwendet werden können. Bisher werden Reisabfälle oft umweltschädlich verbrannt (Bisman Deu).

Fortschritte und Herausforderungen beim Thema Kinderrechte

Seit der Verabschiedung der UN-Konvention über die Rechte des Kindes hat sich das
Leben für unzählige Kinder verbessert – vor allem durch technologische oder medizinische Verbesserungen. Doch diese Fortschritte kommen noch längst nicht allen Kindern zugute. UNICEF zeigt in dem Datenreport „Is the World a Better Place for Children“ zentrale Fortschritte und Herausforderungen in den vergangenen 25 Jahren:

Ein Baby, das 2014 geboren wurde, hat weltweit deutlich bessere Chancen zu überleben als vor 25 Jahren. Durch einfache und kostengünstige Maßnahmen wie Impfkampagnen oder bessere Hygiene konnte das Leben von 90 Millionen Kindern unter fünf Jahren gerettet werden. Doch bis heute erleben pro Jahr rund 6,3 Millionen Mädchen und Jungen nicht einmal ihren fünften Geburtstag – nur weil es an Medikamenten, sauberem Trinkwasser oder Gesundheitshelfern fehlt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind eine Schule besuchen kann, ist heute deutlich
höher. So stiegen weltweit die Einschulungsraten, mehr Kinder als je zuvor schließen die Grundschule ab. Aber 57 Millionen Mädchen und Jungen im Schulalter haben bis immer noch keinen Platz im Klassenzimmer. Und selbst wenn Kinder zur Schule gehen ist längst nicht gesichert, dass sie dort auch etwas lernen: Schätzungsweise 250 Millionen Kinder können nach dem Besuch der Grundschule einfache Texte nicht lesen oder Rechenaufgaben lösen.

Weltweit gibt es Verbesserungen beim Schutz der Kinder vor Missbrauch, Ausbeutung
und Gewalt. Die Zahl der arbeitenden Kinder und Jugendlichen ging um fast ein
Drittel zurück. Trotzdem müssen immer noch 168 Millionen Mädchen und Jungen unter
ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Und nur fünf Prozent aller Kinder leben in
Ländern, in denen jede Gewalt gegen Kinder verboten ist. Kinderheiraten nehmen zwar
ab – sind aber insbesondere in Südasien und im Südlichen Afrika weiter verbreitet.

Bedroht sind die Rechte von Kindern besonders in Krisengebieten und in fragilen
Staaten, in denen staatliche Strukturen nicht funktionieren. In Syrien, Irak, Südsudan oder in Krisenregionen wie im Norden von Nigeria sind Kinder Zielscheibe von Terror und Gewalt. Acht der zehn Länder mit der höchsten Kindersterblichkeit sind so genannte fragile Staaten – beispielsweise Somalia, die Zentralafrikanische Republik und Mali.

Auch in den wohlhabenden Industrieländern gibt es Herausforderungen. Hier wachsen
76,5 Millionen Kinder in relativer Armut auf – 2,6 Millionen mehr als noch 2008. Die Finanzkrise hat die Kinder härter getroffen als die ältere Generation: In fast allen europäischen Ländern ist die Armutsrate bei Kindern schneller angestiegen – oder langsamer zurückgegangen – als bei älteren Menschen.

UNICEF-Aufruf:

„Kinderrechte verwirklichen – für jedes Kind“

Zum 25. Geburtstag der Kinderrechte ruft UNICEF zu verstärktem Einsatz für die universelle Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention auf. Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft müssen deutlich mehr tun, um die Kinderrechte auf Versorgung, Schutz und Beteiligung für jedes Kind zu verwirklichen:

  • Kinder müssen zum Maßstab einer zukunftsfähigen Gesellschaft werden. Damit die Kinderrechte überall auf der Welt durchgesetzt werden, braucht es stärkeren politischen Willen, angemessene Budgets und aussagekräftige Daten, um die Kinderrechte auch für alle benachteiligten Kinder zu verwirklichen.
  • Kinder brauchen in ihren Familien, Schulen und Gemeinden ein positives und beschützendes Umfeld. Sie müssen ihre Meinung einbringen und sich an Entscheidungen beteiligen können. UNICEF unterstützt in seinen Programmen in Entwicklungsund Schwellenländern den Aufbau kinderfreundlicher Schulen. In Deutschland fördert UNICEF Initiativen wie Kinderfreundliche Kommunen e.V.
  • Bei Kinderrechtsverletzungen muss weltweit „Null Toleranz“ gelten. Missbrauch,
    Ausbeutung, Gewalt und Terror gegen Kinder müssen weltweit geächtet und verfolgt
    werden. Jedes Kind braucht Schutz und Hilfe im Krieg. Und in jedem Land der Erde
    muss Gewalt an Kindern ausdrücklich verboten werden.
  • Kinderrechte müssen auf die internationale politische Agenda. Es muss gelingen,
    dass kein Kind mehr an vermeidbaren Krankheiten oder Mangelernährung stirbt und
    dass jedes Kind eine gute Schulbildung erhält. Die Rechte der zukünftigen Generationen müssen Leitlinie bei der Festlegung neuer, nachhaltiger Entwicklungsziele nach 2015 sein. Deutschland soll den G7/G8-Vorsitz im Jahr 2015 nutzen, um konkrete Verbesserungen für Kinder weltweit voranzutreiben.
  • Die Bundesregierung muss die international verbrieften Rechte der Kinder umfassend verwirklichen. So muss zum Beispiel der Kampf gegen Kinderarmut in Deutschland Priorität in Bund, Ländern und Gemeinden haben. Die Kinderrechte müssen explizit im Grundgesetz verankert und unabhängige Ombuds- und Beschwerdestellen für Kinder eingerichtet werden, wie sie in über 70 Ländern bereits selbstverständlich sind.

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