Bangladesch 2019: In einer Ziegelsteinfabrik arbeiten Kinder unter schweren Bedingungen.

Zum heutigen internationalen Aktionstag gegen Kinderarbeit traurige Nachrichten: Die Ergebnisse eines neuen Reports von ILO und Unicef.

Weltweit ist die Zahl der Kinder in Kinderarbeit auf 160 Millionen gestiegen – das ist eine Zunahme um 8,4 Millionen Kinder in den letzten vier Jahren. Millionen weitere Mädchen und Jungen sind durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie gefährdet, so ein neuer Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF.

Die beiden Organisationen warnen zum Welttag gegen Kinderarbeit am 12. Juni mit dem aktuellen Bericht „Child Labour: Global Estimates 2020, trends and the road forward” („Kinderarbeit: Globale Schätzungen 2020, Trends und der Weg in die Zukunft”) davor, dass die Fortschritte bei der Überwindung von Kinderarbeit zum ersten Mal seit 20 Jahren ins Stocken geraten sind. Damit hat sich der bislang positive Trend umgekehrt: Zwischen 2000 und 2016 war die Zahl der Mädchen und Jungen in Kinderarbeit noch um 94 Millionen gesunken.

Junge Ziegenhirten begleiten eine Gruppe von Tieren im Norden von Kenia

Die Zahl der jungen Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren in Kinderarbeit ist deutlich angestiegen, so dass diese Altersgruppe nun weltweit etwas mehr als die Hälfte der von Kinderarbeit betroffenen Kinder stellt. Die Zahl der Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren, die besonders gefährliche Arbeit verrichten – also Tätigkeiten, die ihre Sicherheit, körperliche oder seelische Gesundheit bedrohen –, ist seit 2016 um 6,5 Millionen auf 79 Millionen gestiegen.

„Die neuen Schätzungen sind ein Weckruf. Wir können nicht tatenlos zusehen, wie eine neue Generation von Kindern in Gefahr gerät”, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder. „Umfassende, inklusive soziale Basisschutzmaßnahmen können es Familien ermöglichen, ihre Kinder auch trotz wirtschaftlicher Not in der Schule zu halten. Verstärkte Investitionen in die ländliche Entwicklung und menschenwürdige Arbeit in der Landwirtschaft sind unerlässlich. Wir sind an einem entscheidenden Moment und vieles hängt davon ab, wie wir handeln. Es ist Zeit für neues Engagement und Energie, um die Trendwende zu schaffen und den Kreislauf von Armut und Kinderarbeit zu durchbrechen.“

Ann Kathrin Linsenhoff auf ihrer Reise in den Südsudan

In Subsahara-Afrika haben Bevölkerungswachstum, wiederkehrende Krisen, extreme Armut und unzureichende soziale Basisschutzmaßnahmen in den letzten vier Jahren zu zusätzlichen 16,6 Millionen Mädchen und Jungen in Kinderarbeit geführt. Selbst in Regionen, in denen es seit 2016 einige Fortschritte gab, wie in Asien und der Pazifik-Region sowie in Lateinamerika und der Karibik, sind diese durch Covid-19 gefährdet.

Der Bericht warnt, dass weltweit neun Millionen zusätzliche Kinder bis Ende 2022 durch die Pandemie in Kinderarbeit gedrängt werden können. Ein Simulationsmodell zeigt, dass diese Zahl auf 46 Millionen ansteigen könnte, wenn gefährdete Kinder keinen Zugang zu angemessenen sozialen Basisschutzmaßnahmen haben.

Wirtschaftliche Schocks und Schulschließungen wegen der Covid-19-Pandemie bedeuten auch zusätzliche Risiken für die Kinder, die bereits vorher Kinderarbeit geleistet haben. Möglicherweise müssen sie länger oder unter schlechteren Bedingungen arbeiten, während viele weitere in die schlimmsten Formen der Kinderarbeit gezwungen werden, weil ihre Eltern ihre Jobs oder Einkommensmöglichkeiten verloren haben.

„Wir verlieren im Kampf gegen Kinderarbeit an Boden, und das letzte Jahr hat diesen Kampf nicht einfacher gemacht“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Jetzt, im bereits zweiten Jahr mit weltweiten Lockdowns, Schulschließungen, wirtschaftlichen Krisen sowie schrumpfenden Staatshaushalten, sind viele Familien gezwungen, tragische Entscheidungen zu treffen. Wir fordern Regierungen und internationale Entwicklungsbanken auf, vorrangig in Programme zu investieren, die Kinder aus Kinderarbeit herausholen und wieder in die Schule bringen können, sowie in soziale Schutzprogramme, die Familien helfen können, diese Entscheidung gar nicht erst zu treffen.“

Im Rahmen des Internationalen Jahres zur Beendigung von Kinderarbeit appellieren ILO und UNICEF zusammen mit den Unterstützer*innen der globalen Partnerschaft Alliance 8.7 an Mitgliedsstaaten, Unternehmen, Gewerkschaften, die Zivilgesellschaft sowie regionale und internationale Organisationen, gemeinsam die Anstrengungen im weltweiten Kampf gegen Kinderarbeit zu verdoppeln und zu diesem Anlass konkrete Zusagen für mehr Engagement gegen Kinderarbeit bekannt zu geben.

#EndChildLabour2021

Sowohl die Ann-Kathrin-Linsenhoff-Stiftung für Unicef als auch die Linsenhoff-Stiftung unterstützen seit vielen Jahren Projekte in Deutschland und der ganzen Welt, um Kindern Zugang zu einer Schulausbildung zu ermöglichen und sie dadurch vor Kinderarbeit zu schützen.

Helfen auch Sie mit – jede Unterstützung zählt – sei es durch Spenden oder durch eine bewusste Wahl beim Einkauf. Kinder sind unsere Zukunft, in diese sollten wir investieren!

Herzlichst