Der internationale Tag des Kindes soll auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und speziell der Kinderrechte aufmerksam machen.  Ziel des Tages ist es, Themen wie Kinderschutz, Kinderpolitik und Kinderrechte in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Ein gelebtes Praxisbeispiel ist hierfür das Frankfurter Mädchenbüro Milena e.V.

 

 

Gastbeitrag von Maneesorn Koldehofe

Heute, am Tag des Kindes, denke ich an die Kinder die zu uns ins Mädchenbüro Milena kommen. Jeden Tag um 9 Uhr öffnen wir unsere Türen für Frauen mit oder ohne Fluchthintergrund, die ohne großen bürokratischen Aufwand Deutsch lernen wollen. Sofern die Mütter keinen Betreuungsplatz in einer Kita haben, werden ihre Kinder zum Deutschunterricht mitgebracht. Ehrenamtlich engagierte Frauen kümmern sich um die Kinder, die zwischen vier Monaten und vier Jahren alt sind, während die Mütter nebenan Deutsch lernen.

Aufgrund der neuen Räume, die wir seit dem 1. November 2019 bezogen haben, gibt es ein richtiges Kinderzimmer zum Toben und Spielen für die 17 Kinder.  An manchen Tagen ist es so laut und wuselig, dass wir jeden Ton und jedes Geschrei auch drei Räume weiter hören. Dann laufen wir in den Kinderbereich, um zu schauen, ob sich keiner verletzt hat und sehen quietschend vergnügte Kinder, die mit den Ehrenamtlichen spielen. Wenn sie uns dann sehen, rennen sie uns entgegen und wir vergessen einen Augenblick die Arbeit und toben mit ihnen. Durch die ganzen 380 qm großen Räume laufen wir, schieben Kinder in ihren Autos den Flur entlang und spielen Verstecken.

 

 

 

 

 

Der liebste Aufenthaltsraum ist natürlich unsere Wohnküche. Dort gibt es für die Kleinen immer viel zu sehen. Dort wird das tägliche Mittagessen vorbereitet, und selbstverständlich möchten sie dabei helfen. Aber auch das Büro ist ein gern besuchter Ort, denn da erblicken sie Stifte und möchten damit malen. Leider nicht auf dem Papier, sondern auf den Tischen, Wänden und allen weiteren Flächen, die sich zum Malen anbieten. Hier benötigen wir dann ganz viel Geduld, Überredungsgeschick und vor allem Kreativität, um die Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu lenken. Nicht immer gelingt es uns und ihren Unmut äußern sie dann durch Schreien und Weinen. Spätestens in diesem Augenblick kommen die Mütter aus ihren Unterrichtszimmern, nehmen ihre Kleinen in den Arm und dann setzt die Kraft der Mütter ein. Schlagartig wird das Kind ruhig, hört auf zu weinen und schlummert im Arm seiner Mutter. Es ist jedes Mal faszinierend zu beobachten, und jedes Mal erhalten wir in diesem besonderen Augenblick die Bestätigung, wie wichtig die räumliche Nähe zur Mutter für das Kind ist. Die Gewissheit, dass die wichtigste Person in der Nähe ist, die Geborgenheit und Sicherheit nicht weit entfernt ist, spüren die Kinder und können unbefangen ihre fremde Umgebung erobern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt aber auch Säuglinge, die im MaxiCosi bei ihrer Mama im Unterricht bleiben oder in unserer Ruhezone schlafen. In diesem Bereich steht ein Schaukelstuhl, damit die Mütter ihre Kinder in Ruhe stillen und danach zum Schlafen ins Kinderbett legen können. Wenn die Mütter nach einer Stunde Unterricht Pause haben, versammeln sich alle in der Wohnküche und die Kinder erhalten etwas zu essen. Dann sitzen sie im Kinderstuhl, essen Brot, knabbern an Obst oder ihren Brei. Und während einige noch essen, rennen die anderen schon in den Räumen umher und wollen weiterspielen.

Nach knapp drei Stunden ist der Unterricht vorbei, die Kinder werden angezogen und sofern die Mütter keinen Beratungstermin bei uns haben, gehen sie nach Hause. Dann fängt das Gebrülle und Geschreie wieder an, denn keines der Kinder möchte nach Hause. Keiner möchte das Spielzimmer verlassen, sich anziehen und seine Freunde verlassen.

Die Vielfalt der kleinen Persönlichkeiten, die wir bei uns betreuen dürfen, wechselt ständig, denn das wichtigste Ziel ist, dass ein geregelter Betreuungsplatz in einer Krippe oder einer Kita gefunden wird. Ein bis zwei Jahre bleiben die Kinder bei uns im Mädchenbüro Milena, bis wir eine institutionelle Betreuung für sie gefunden haben.

Für die Mütter ist dieser Schritt sehr wichtig, da sie ab diesem Augenblick einer Ausbildung oder Beschäftigung nachgehen können. Bis jedoch dieser neue Lebensabschnitt eintritt, bemühen wir uns, den Kindern eine gewisse Stabilität zu bieten. Einen Augenblick raus aus der Enge der Unterkünfte, einen Augenblick eine entspannte Mutter erleben zu dürfen, die sich nicht nur um Haushalt und Erziehung kümmern muss. Einen Augenblick die Kriegserinnerungen zurück zu lassen und die bedrückte Stimmung daheim verlassen. Die ungeklärte Aufenthaltssituation vergessen und Kind sein dürfen. Die Welt mit Kinderaugen sehen dürfen, Fragen stellen, Antworten erhalten, laut sein, toben, spielen, rennen und keine Angst haben zu müssen.

Wir sind dankbar, dass wir dies den Kindern geben können. Einen geschützten Ort der Geborgenheit, Freundlichkeit, Hoffnung und Sicherheit. Dafür steht das Frankfurter Mädchenbüro Milena.

 

Das Mädchenbüro Milena wird von Beginn an von der Linsenhoff-Stiftung finanziell unterstützt. Es ist für mich ein ganz besonderes Projekt, dem ich persönlich sehr verbunden bin. Ein großer Dank gilt dem hochengagierten Team!

Auch Sie können das Mädchenbüro Milena unterstützen. Wir freuen uns über jede Zuwendung, die zu 100 % direkt in das Projekt einfließt.

Herzlichst

Ann Kathrin Linsenhoff